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Vitos Basispaket: Bewegung

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Thumbnail Expertenvideo Bewegung
Florian Stoll, stv. ärztlicher Direktor Vitos Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Herborn

 

Das Expertenvideo als Audio:

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Warum Bewegung so wichtig ist:

 

Körper und Psyche sind verbunden

Viele Menschen sind der Überzeugung, dass unsere Psyche nichts mit unserem Körper zu tun hat. Das ist jedoch ein großer Irrtum! Wenn wir uns bewegen, werden Prozesse im Körper angestoßen, die uns entspannen, unsere Muskelkoordination und unsere Sinneseindrücke beeinflussen. Diese Veränderungen im Körper wirken positiv auf unser psychisches Befinden zurück. Wir können also Körper und Psyche gar nicht trennen! 

 

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Bewegung_Nordic_Walking

Positive Effekte auf psychische Gesundheit

Wenn es uns nicht gut geht, ziehen wir uns oft zurück. Wir bleiben häufiger zu Hause, sagen das Treffen mit Freund*innen ab oder vermeiden den Sportkurs. Was unsere Psyche da tut, ist eine Art Schutzmechanismus. Wir glauben, dass eine Reduktion von Aktivität unseren Stress reduziert oder unsere Schmerzen lindert. Doch in Wirklichkeit tun wir uns keinen Gefallen: Wir bremsen positive Hormone und Botenstoffe, die uns eigentlich zu mehr Wohlbefinden verhelfen möchten. 

In klinischen Untersuchungen wird immer wieder festgestellt, dass körperliche Aktivität einen sehr positiven Einfluss auf verschiedene psychische Leiden hat. So lässt sich z.B. eine bedeutsame Wirkung auf Depressivität, Angst oder Schmerz nachweisen. Je schwerer die depressive Erkrankung, desto deutlicher der Effekt! Die Bewegung sollte dabei immer eine Ergänzung des therapeutischen Programms sein.

 

Bewegung ist nicht gleich Sport

Bewegung bedeutet nicht zwingend Sport! Viele Menschen fühlen sich vom Begriff „Sport“ abgeschreckt. Doch um sich gesundheitsförderlich zu bewegen, müssen Sie keine Sportskanone sein. Ihrer Seele ist es völlig egal, welche Körperform oder welches Fitnesslevel Sie haben!

 

Bewegung bei Schmerzen – ein Ausweg aus dem Teufelskreis

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Bewegung_Fahrrrad

 

Moderate Bewegung ist gerade für Schmerzpatient*innen ein wichtiger Baustein! Schmerzen chronifizieren (d.h. bleiben anhaltend bestehen), wenn Betroffene aus Angst vor Schmerzen in Schonhaltungen verharren und ihre Aktivität reduzieren. Auch für sie ist Bewegung daher oft der entscheidende Weg heraus aus diesem Teufelskreis.

 

 

 

 

Worauf sollte ich achten, wenn ich körperlich aktiv bin?

  • Nicht übertreiben – moderate Bewegung reicht aus!

  • Sie sollten normal atmen können (nicht schnauben)

  • Regelmäßige Pausen einplanen

  • Etwa 10.000 Schritte pro Tag sind ein guter Richtwert (doch auch weniger ist völlig in Ordnung!)

  • Eine Pulsuhr kann sinnvoll sein, wenn Sie sich leicht überfordern

  • Sie sollten sich bei der Aktivität noch normal unterhalten können

  • Kein „Alles-oder-Nichts-Denken“: lieber 7x/Woche leicht bewegen als 4x gar nicht 

 

Bewegung in den Alltag integrieren

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Thumbnail Übungsvideo Bewegung

Bewegungsvideo als Audio:

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Wenn einem die Zeit oder die Motivation fehlt, reichen oft schon kleine Änderungen, um im Alltag aktiver zu sein. Vor allem im Arbeitsalltag ist es wichtig, die langen Stunden des Sitzens mit kurzen Bewegungseinheiten zu unterbrechen.

 

Diese Ideen können dabei helfen:

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Bewegung_am_Schreibtisch_02
  • Mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren
  • Eine Station früher aus dem Bus aussteigen
  • Ein Stück von der Arbeit entfernt parken
  • Kollegen nicht anrufen, sondern persönlich vorbeischauen
  • Kaffee ein Stockwerk tiefer holen
  • Kopierer am Ende des Flurs verwenden
  • Mittagspause für einen Spaziergang nutzen, ggf. mit Kollegen
  • Dehnübungen am Schreibtisch durchführen
  • Treppe statt Aufzug nehmen
  • Abendspaziergang machen
  • Zum Einkaufen zu Fuß gehen
  • Fernsehwerbepausen für Bewegung nutzen
  • Film schauen auf dem Fahrradergometer…

 

Bewegungsangebote

  • Wandern oder Spazieren.
  • Schwimmen im Badesee oder öffentlichen Schwimmbad.
  • Sich einem Sportverein anschließen, was häufig die günstigere Alternative zum Fitnesscenter ist.
  • spezielle Sportgruppen für Menschen mit körperlichen Einschränkungen (Seniorensport, Herzsportgruppen, Rehasport). Tipp: Sportkurse können auch über die Krankenkasse gebucht werden (siehe unten).
  • Einen Kurs in Yoga oder Pilates besuchen, etwa an der Volkshochschule, im Sportverein oder im Fitnesscenter.
  • Fitnessvideos aus dem Internet anschauen und mitmachen oder ein kostenloses Probetraining in einem Fitnesscenter vereinbaren.

Fitnessvideos zum Mitmachen sind im Internet in Hülle und Fülle vorhanden. Einige Beispiele von Vitos Gießen-Marburg finden Sie hier:

Tabata 

Yoga 

Rückenschule 

 

Welche Angebote machen die Krankenkassen?

Krankenkassen erstatten unter bestimmten Bedingungen einen Teil der Kosten oder sogar die gesamten Kosten für bestimmte Sportkurse. Die meisten Krankenkassen bieten neben Präsenzkursen auch Onlineangebote an (z. B. Rückenschule). Weitere Informationen gibt es auf der Homepage oder bei der Hotline der jeweiligen Krankenkasse.

 

Quellen:

Dr. Silke Rusch, Therapeutische Leiterin Vitos Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Herborn.

M. von Wachter und A. Hendrischke, Psychoedukation bei chronischen Schmerzen, Psychotherapie: Praxis, https://doi.org/10.1007/978-3-662-62282-7_14

Gebhard Hüsler (2013). Bewegung und Sport als (Psycho)Therapie oder als (psycho)therapeutisches Agens? Wirksamkeit von Bewegung und Sport auf Befinden und psychische Störungen im Vergleich zu psychotherapeutischen Interventionen.© J. G. Cotta'sche Buchhandlung Nachfolger GmbH; pp 91-110.

 

Autor: Vitos Herborn, 2025

                                                                              

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