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Ist das schon eine Demenz?

Wo habe ich jetzt nochmal geparkt? Was wollte ich einkaufen? Und wie hieß noch dieser eine Schauspieler? Jeder von uns kennt das, selbst in jüngeren Jahren. Und im Alter lässt die kognitive Leistungsfähigkeit oft ganz natürlich nach. Aber ist das schon eine Demenz? Die Gedächtnissprechstunde hilft, das herauszufinden.

Wer wissen möchte, ob er womöglich an den ersten Symptomen einer demenziellen Erkrankung leidet oder auch an einer anderen Störung, kann sich mit einer Überweisung vom Hausarzt in einer „Gedächtnissprechstunde“ wie am ZfP-Klinikum am Weissenhof in Weinsberg untersuchen lassen. Das schafft Gewissheit, hat aber auch andere Vorteile, wie Dr. Rainer Schaub, Chefarzt der dortigen Klinik für Gerontopsychiatrie, erläutert.

 

Herr Dr. Schaub, an wen richtet sich eine „Gedächtnissprechstunde“?

In der Regel werden Menschen ab einem Alter von 60, 65 Jahren und darüber hinaus zu uns überwiesen. Sie machen sich Sorgen darüber, dass ihr Gedächtnis nachlässt. Oft bemerken auch die Angehörigen, dass sich etwas verändert hat, was vor zwei oder fünf Jahren noch ganz anders war. Solche Entwicklungen sind meist graduell und schleichend. Die Menschen erinnern sich nach wie vor gut daran, wie sie in die Schule gekommen sind oder berufstätig wurden. Solche Erfahrungen sind im Langzeitgedächtnis abgelegt. Uns interessiert aber vielmehr, ob sich jemand an Informationen aus den letzten Minuten, Stunden oder Tagen erinnern kann. Neben dem eigentlichen Gedächtnis können zudem auch andere kognitive Funktionen betroffen sein: Wie gut ist die Auffassungsgabe eines Menschen, wie gut kann er sich konzentrieren? Wer zu uns kommt, möchte meist wissen, ob er womöglich eine Demenzerkrankung entwickelt. Symptome können aber auch auf andere Erkrankungen hindeuten wie eine Depression, eine Schilddrüsenstörung oder einen Vitamin- und/oder Flüssigkeitsmangel – oder eben altersgemäß sein.

 

Bei welchen Symptomen sollten Betroffene oder Angehörige sich um einen Termin bemühen?

Wenn sich jemand aktiv etwas merken möchte wie drei Dinge, die er aus dem Keller holen oder einkaufen will, und das gelingt dann nicht. Oder eben auch, wenn allgemein der Eindruck entsteht, das Gedächtnis lässt merklich nach.

Wenn sich jemand aktiv etwas merken möchte wie drei Dinge, die er aus dem Keller holen oder einkaufen will, und das gelingt dann nicht. Oder eben auch, wenn allgemein der Eindruck entsteht, das Gedächtnis lässt merklich nach.

 

Wie läuft dann der erste Termin ab?

Zunächst machen wir eine Anamnese: Welche Krankheiten gab es, wie ist der aktuelle ärztliche Befund? Wir legen auch sehr großen Wert darauf, mit einem Angehörigen zu sprechen, der uns schildern kann, wie sich die Situation aus seiner Sicht verändert hat. Dann machen wir ein grobes Screening, wie ausgeprägt das kognitive Defizit wohl sein könnte. Zusätzlich veranlassen wir eine körperliche Untersuchung und ein Blutbild im Labor, um ausschließen zu können, dass etwa eine Unterversorgung mit B-Vitaminen die Symptome verursacht. Auch eine psychische Erkrankung wie eine Depression oder Angststörung kann zu ähnlichen Beschwerden führen. Hinzu kommt eine CT-Aufnahme des Gehirns – falls das alles noch nicht vorliegt. Und wir fragen, ob und welche Medikamente eingenommen werden. Das ist wichtig, denn viele Arzneimittel wie etwa einige Diuretika oder trizyklische Antidepressiva können als Nebenwirkung zu kognitiven Funktionsstörungen führen. Außerdem schauen wir uns an, ob womöglich ein neuropsychologisches Syndrom vorliegt, wie eine Sprachstörung, oder der ratsuchende Mensch Schwierigkeiten hat, ein vertrautes Werkzeug wie früher zu nutzen.

 

Wie geht es dann weiter?

In einem zweiten, manchmal auch dritten Termin machen wir aufwändige Testungen. Das dauert rund zwei Stunden und ist durchaus anstrengend. Wir werten das zusammen mit den körperlichen und den Laborbefunden aus und verschaffen uns so ein umfängliches Bild. Das Ergebnis vergleichen wir mit Normwerten: Welche kognitive Leistung würde man im Schnitt bei gesunden älteren Menschen in dieser Altersgruppe, mit diesem Geschlecht und diesem Bildungshintergrund erwarten – und wie ist der Wert in diesem Fall? In einem Folgetermin besprechen wir dann das Ergebnis und welche nächsten Schritte folgen könnten. Auf Wunsch begleiten wir die Menschen dann auch längerfristig.

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Demenz
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Was zu tun ist, hängt sicherlich mit der Diagnose zusammen?

Natürlich. Manchmal wenden sich Menschen an uns, die eigentlich gesund sind, sich aber übermäßig Sorgen machen, an einer beginnenden Demenz zu leiden. Auch da ist es unsere Aufgabe, dies einzuordnen; wir empfehlen dann, vielleicht eine Psychotherapie zu machen oder einen Psychiater aufzusuchen.

Bei rund 80 Prozent der Menschen zeigt sich, dass sie tatsächlich ein kognitives Defizit haben. Das heißt aber nicht, dass sie dement sind oder werden. Für ihr Erleben kann es verschiedene Ursachen geben.

Werden eben etwa Medikamente eingenommen, die mit kognitiven Einbußen einhergehen, kann man diese meist durch andere ersetzen. Bei einer sogenannten vaskulären Demenz kommt es zu Durchblutungsstörungen im Gehirn. Wird deren körperliche Ursache behoben, kann auch die kognitive Leistung sich wieder bessern.

 

Und wozu raten Sie, wenn es sich um Anzeichen einer beginnenden Alzheimer-Demenz oder einer möglichen Krankheitsbereitschaft handelt?

Zunächst einmal ist es ganz wichtig zu vermitteln, dass das Leben jetzt nicht vorbei ist. Es können noch sehr viele Jahre vergehen, bis eine solche Erkrankung wirklich das Leben beeinträchtigt oder ein Mensch sich pflegen lassen muss. In einer intakten Beziehung lassen sich Defizite, wie sich nicht mehr alles gut merken zu können, auch sehr lange durch Partner kompensieren. Es besteht noch viel Zeit, um mit dieser Diagnose umzugehen. Zeit, um sich, im Vollbesitz seiner Kräfte, etwa auch um eine Vorsorgevollmacht, eine Patientenverfügung oder sein Testament zu kümmern. Wir Menschen neigen generell dazu, so etwas aufzuschieben. Vielleicht gibt es auch Projekte, die immer vertagt wurden und die jemand jetzt doch noch angehen möchte, eine Reise etwa. Oder es gibt noch einen Konflikt zu klären.

 

Die Alzheimer-Demenz ist bisher nicht heilbar. Was kann man tun, um den Prozess der Erkrankung zu verlangsamen?

Alles, was die Herz-Kreislauf-Funktionen und den Stoffwechsel verbessert, ist hilfreich: genügend Bewegung, ausgewogene Ernährung, Reduktion von Stress. Studien haben gezeigt, dass Menschen, die sich schon rein körperlich wenig bewegen, ein deutlich höheres Risiko haben, eine Demenzerkrankung zu entwickeln. Das heißt bei ersten Anzeichen kognitiver Defizite auch: Aktiv zu werden kann helfen, die gesunde Lebenszeit zu verlängern. Dazu gehört, sich sozial – wieder mehr – zu integrieren und so mehr Impulse von außen zu erhalten, die das Gehirn auf Trab halten. Außerdem ist Kognitionstraining wichtig. Damit meine ich nicht Kreuzworträtsel, sondern Aufgaben, bei denen es darum geht, sich neue Inhalte zu merken und sie nach einer gewissen Zeit wieder abzurufen. Dafür gibt es inzwischen auch sogenannte DiGAS, digitale Gesundheitsanwendungen, die man sich als Kassenleistung verordnen lassen kann. Neues zu lernen regt generell die Neuroplastizität des Gehirns an.

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Wie sollte sich jemand auf den ersten Termin vorbereiten?

Ideal wäre es, sämtliche medizinische Vorbefunde mitzubringen. Und etwa eine Bildgebung vom Gehirn schon im Vorfeld machen zu lassen, ebenso wie eine Laboruntersuchung des Blutes. Beides kann der Hausarzt veranlassen. Wichtig ist es zudem, dass für die Fremdanamnese eine nahestehende Person beim Termin dabei sein kann, um uns die Veränderungen des Gedächtnisses als Außenstehender zu beschreiben. Zudem sollte möglichst keine akute, schwere psychische Erkrankung vorliegen, weil dies das Testen erschwert.

Behandlung

Termine für eine Gedächtnissprechstunde

Gedächtnissprechstunden haben sich inzwischen an vielen Institutsambulanzen psychiatrischer Kliniken etabliert. Manchmal werden sie auch von neurologischen Praxen angeboten. Für eine Terminvereinbarung wird eine Überweisung durch den Hausarzt benötigt. In der Gerontopsychiatrischen Institutsambulanz des ZfP-Klinikums am Weissenhof in Weinsberg können Termine für die Gedächtnissprechstunde vereinbart werden: Tel. 07134-1660, E-Mail: info-pia-geronto@klinikum-weissenhof.de.

Die Diagnose Demenz betrifft auch das gesamte Umfeld der erkrankten Person. Angehörige kümmern sich häufig viele Jahre und teilweise sehr intensiv um sie. Drei Dinge sind dabei wichtig: Information, Austausch und Selbstfürsorge. Die Alzheimer-Demenz ist eine voranschreitende Erkrankung, bei der sich Symptome verändern. Je mehr Angehörige darüber wissen, desto besser können sie sich auf Veränderungen einstellen und frühzeitig nötige Unterstützung suchen.

Der Austausch mit anderen Betroffenen kann die eigenen Gefühle auffangen und dient auch der Suche nach Rat für konkrete Herausforderungen. Neben Selbsthilfegruppen ist das Curamenta-Forum dafür eine unkomplizierte Anlaufstelle. Nicht zuletzt sollten Angehörige unbedingt auf sich selbst aufpassen und ihre körperliche und psychische Gesundheit nicht vernachlässigen. Dazu können sie selbst auf professionelle Hilfe zurückgreifen.

Demenz ist der Oberbegriff einer Reihe von Krankheitsbildern. Sie haben jedoch alle die gleiche Wirkung: Sie beeinträchtigen die geistige Leistungsfähigkeit in verschiedenen Bereichen. Demenzen lassen sich in primär und sekundär einteilen. Die sekundäre Form bedeutet, dass die Demenz die Folge einer anderen Erkrankung ist. Bei einer primären Demenz ist die Demenz selbst die Erkrankung.

Die Alzheimer-Demenz ist eine primäre Form. Mit zwei Dritteln aller primären Demenzen ist sie die häufigste Demenz-Erkrankung. Etwa 15 Prozent sind vaskuläre, also gefäßbedingte Demenzen. Sie entstehen durch eine Störung der Blutversorgung im Gehirn, etwa durch ein Blutgerinnsel. Weiterhin gibt es Lewy-Körperchen-Demenz, die frontotemporale Demenz sowie seltenere Mischformen. Insgesamt zählt die Wissenschaft über 50 verschiedene Demenzformen.

Die Lebenserwartung bei einer Demenzerkrankung hängt von einigen Faktoren ab. Dazu gehört zum Beispiel das Alter bei Diagnosestellung, die individuelle Ausprägung der Demenz sowie ihr Schweregrad und mögliche Vor- und Begleiterkrankungen. Bei der Alzheimer-Demenz beträgt die durchschnittliche, statistische Lebenserwartung etwa sieben Jahre ab Diagnose. Da der Krankheitsverlauf individuell ist, ist diese Zahl nur ein Richtwert. Erkrankte sterben auch nicht an der Demenz selbst, sondern an ihren Folgen. Etwa, weil ihr schwaches Immunsystem sie nicht vor einer Infektion schützen kann.

Es ist ratsam, die eigene Gesundheit durch einen gesunden Lebensstil dauerhaft zu fördern. So lassen sich einige körperliche Erkrankungen vermeiden, die eine Demenz begünstigen – etwa Diabetes mellitus („Zucker“), Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Depressionen. Falls sich Erkrankungen in diesem Bereich entwickeln, ist eine frühzeitige Behandlung wichtig.

Ein gesundheitsförderndes Leben umfasst zum Beispiel eine ausgewogene Ernährung mit vielen Vitaminen und ungesättigten Fettsäuren, der Verzicht aufs Rauchen und bestenfalls auch auf Alkohol, regelmäßige Bewegung, die aktive Teilnahme am sozialen Leben sowie den Erhalt der geistigen Fitness.

Das Auftreten einer Alzheimer-Demenz liegt an Veränderungen im Gehirn. Die Verbindungswege zwischen Nervenzellen sind gestört und Nervenzellen sterben ab. Dazu tragen Eiweißablagerungen bei, die ein gesundes Gehirn problemlos abbauen kann – bei Erkrankten funktioniert dies jedoch nicht mehr. Die ganz genaue Ursache des Hirnabbaus ist aktuell noch Gegenstand der Alzheimer-Forschung.

Wie es überhaupt zu den Veränderungen im Gehirn kommt, wird ebenfalls beforscht. Es gibt Hinweise darauf, dass gewisse Erkrankungen die Entstehung begünstigen. Dazu gehören zum Beispiel Depressionen, Diabetes mellitus („Zucker“) sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Der größte Risikofaktor ist jedoch das Alter.

Um einen ersten Überblick zu gewinnen, ob Sie möglicherweise an einer Demenz leiden, bietet Curamenta Ihnen einen Demenz-Test. Er liefert jedoch keine Diagnose. Diese kann nur durch ärztliche Abklärung erfolgen. Bitte zögern Sie nicht, bei Unsicherheit einen Termin bei einer Ärztin oder einem Arzt abzumachen.

Die Demenz bringt mit sich, dass gerade der gewohnte Alltag zur Herausforderung wird. Daher sollten Betroffene sich so gut es geht selbst entlasten und unterstützen.

Zum Beispiel mit

  • Erinnerungshilfen: Kalender für wichtige Termine, Notizzettel als Gedächtnisstütze
  • Festen Strukturen: Wochen- oder Tagespläne mit allen Terminen
  • Orte für Dinge: Jeder Gegenstand bekommt einen festen Platz in der Wohnung
  • Übersicht: Überflüssiges ausmisten und Vorhandenes übersichtlich anordnen
  • Offenheit: Der offene Umgang mit der Erkrankung erzeugt Verständnis statt Ungeduld

Zentral ist auch, körperlich, geistig und sozial aktiv zu bleiben und auf nichts zu verzichten, was Spaß macht und für Wohlgefühl sorgt. Der Besuch einer Selbsthilfegruppe kann bei der Verarbeitung der Diagnose und Erkrankung helfen.