Wie wichtig der regelmäßige Kontakt zu Freunden oder Verwandten für unsere psychische und auch körperliche Gesundheit ist, das hat die Wissenschaft mittlerweile eindeutig bestätigt. Doch warum fällt es einigen Menschen so schwer auf andere zuzugehen, Freundschaften zu pflegen oder Konflikte in Beziehungen zu meistern?
Im Folgenden möchten wir auf drei wichtige Gründe eingehen, warum Menschen soziale Kontakte meiden oder diese als überfordernd erleben und Ihnen Hilfestellungen geben, diese Hürden zu überwinden.
Motiv 1: soziale Kontakte wurden „schleifen gelassen“ oder der Freundeskreis nicht gepflegt
In der Hektik des Alltags passiert es häufig, dass wir soziale Kontakte zunehmend vernachlässigen. Umzüge, der Job, ein voller Terminkalender oder die Vielzahl alltäglicher Aufgaben sind oft Gründe, aus denen uns kaum Zeit für unsere Freunde bleibt oder es uns schwerer fällt, Verabredungen wahrzunehmen. Auch Konflikte lassen sich hierbei nicht immer vermeiden und erschweren zusätzlich das Aufrechterhalten unserer Freundschaften.
Der Verlust von sozialen Kontakten ist meist ein schleichender Prozess, den wir erst wahrnehmen, wenn es schon zu spät ist und das Gefühl der Einsamkeit aufkommt. In einer repräsentativen Umfrage aus dem Jahr 2019 (Ruhr-Universität Bonn) gaben ca. 17% der Deutschen an, sich häufig oder ständig einsam zu fühlen. Zudem leiden einsame Menschen häufiger unter chronischen körperlichen Beschwerden, Herzerkrankungen, Schlaganfällen oder Unterernährung. Demnach kann sich Einsamkeit nicht nur auf unser psychisches Wohlbefinden auswirken, sondern auch auf unsere körperliche Gesundheit (Studie der Universität Münster).
Je weniger soziale Kontakte wir haben oder je länger wir uns nicht bei unseren Freunden oder Familie gemeldet haben – umso schwerer fällt es, auf andere zuzugehen.
Welche ersten Schritte Sie unternehmen können, um mehr „unter Leute“ zu kommen und neue Kontakte zu knüpfen? Im folgenden Video finden Sie hierzu praktische Tipps und Infos.
Und wie kann es gelingen, alte und vielleicht lange vernachlässigte oder konfliktreiche Freundschaften zu reaktivieren? Auch zu diesem Thema haben wir im folgenden Video einige Anregungen.
Motiv 2: soziale Kontakte werden aufgrund sozialer Kompetenzdefizite gemieden
Die psychische Gesundheit und Lebensqualität ist stark davon abhängig, inwieweit man fähig ist, Kontakt zu Mitmenschen aufzubauen und Beziehungen mit den eigenen Bedürfnissen und Zielen in Einklang zu bringen. Diese Fähigkeit nennt man „soziale Kompetenz“: die Fähigkeit eines Menschen, angemessene Kompromisse zwischen eigenen Bedürfnissen einerseits und sozialer Anpassung andererseits zu finden.
Soziale Kompetenzdefizite bedeuten, dass man über keine oder wenige sozial kompetente Verhaltensweisen verfügt oder diese nicht anwenden kann. Dies führt häufig zu Problemen im Alltag.
Soziales Verhalten ist wie jedes andere Verhalten erlernt. So können Defizite bei fehlender oder ungünstiger Übung im Verlauf der Lebensgeschichte entstehen. Meistens gibt es nicht eine Ursache, die zu Defiziten führt, sondern es ist eine Kombination aus fehlender Übung, mangelnder Verstärkung, ungünstiger Vorbilder, Erfolg mit negativem Verhalten (z.B. Aggression) und einem negativen Selbstbild.
Soziale Kompetenz ist eine enorme Ressource und hat einen positiven Einfluss auf andere Bereiche der psychischen Gesundheit wie z. B. den Selbstwert. Wenn man soziale Kompetenzdefizite hat, ist sozialer Kontakt häufig mit Konflikten verbunden. Dies hat zur Folge, dass Menschen mit sozialen Kompetenzdefiziten gemieden werden. Deshalb ist eine fehlende soziale Kompetenz ein Risikofaktor für andere psychische Erkrankungen wie Depressionen. Aus diesem Grund ist es wichtig soziale Kompetenzen aufzubauen und zu fördern.
Im sogenannten „Sozialen Kompetenztraining“ übt man verschiedene soziale Situationen ein und lernt, wie man sein eigenes Verhalten verbessern kann, um dieses an langfristige Ziele anzupassen und negative Konsequenzen zu vermeiden. Hierzu gehören u.a.:
andere im Gespräch nicht unterbrechen,
„Nein“ sagen oder sich entschuldigen können,
eigene Schwächen eingestehen,
andere um einen Gefallen bitten sowie
angemessen auf Kritik zu reagieren.
Im folgenden Video versucht Frau S. in einer typischen Alltagssituation, ihre Bedürfnisse sozial angemessen durchzusetzen. Dies fällt ihr nicht leicht, da sie sehr harmoniebedürftig ist. Welche Strategien wird sie anwenden? Ob es ihr gelingt eine Lösung zu finden?
Motiv 3: Ängste oder Befürchtungen in sozialen Situationen
Wer kennt das nicht: Sie müssen eine Präsentation vor einer großen Gruppe halten oder Sie haben eine Verabredung mit jemandem für den Sie schwärmen – Sie sind aufgeregt und möglicherweise ängstlich. Das ist erstmal ein ganz normales Gefühl, denn Angst informiert uns und unseren Körper vor einer möglichen Gefahr.
Bei der Entstehung von Angst spielen besonders die Gedanken eine ausschlaggebende Rolle, da negative und dysfunktionale Gedanken das Angstgefühl befeuern. Bei Betroffenen mit sozialen Ängsten steht die Befürchtung negativ beurteilt oder abgelehnt zu werden im Vordergrund (z.B.: wenn ich eine Präsentation halte werde ich ausgelacht). Typische gefürchtete Situationen sind z. B. ein Telefonat führen, eine Frage in einer Gruppe stellen oder mit einer Autoritätsperson interagieren.
Werden Situationen, in denen übertriebene Ängste auftreten, gemieden, führt dies zu einer Aufrechterhaltung und sogar Verstärkung der Angst. Nur durch die gezielte Auseinandersetzung mit den zugrundeliegenden Befürchtungen können Ängste reduziert werden. Dies geschieht auf gedanklicher, emotionaler, aber auch auf körperlicher Ebene.
Eine sehr wirkungsvolle Behandlungsmöglichkeit aus dem Gebiet der kognitiven Verhaltenstherapie bietet die Konfrontations- oder Expositionstherapie.
Im folgenden Video möchten wir Ihnen einen Einblick in diese Therapieform geben und fassen die wichtigsten Verhaltensregeln im Umgang mit Ängsten zusammen.
Um den jeweiligen Einzelfall genauer zu beleuchten ist ein vertrauensvolles Gespräch mit einer/m ärztlichen oder psychologischen Behandler:in sinnvoll. Er/sie kann versuchen mit Ihnen die Hintergründe für den Mangel sozialer Kontakte zu verstehen und Sie können gemeinsam geeignete Strategien für Ihre individuellen Ziele entwickeln.
Keine Lust Videos zu schauen? Alternativ können Sie hier unsere Inhalte auch als Audio anhören:
Prof. Dr. med. Florian Metzger über soziale Kontakte und Kompetenzen
Wie knüpfe ich neue Kontakte?
Wie lasse ich alte Kontakte wiederaufleben?
Wie verhalte ich mich sozial kompetent?
Wie baue ich Ängste und Rückzug ab?
Weitere Medieninhalte
Die Technik der Konfrontation wird auch im Video „Angststörungen: Behandlung durch Konfrontation“ der Stiftung Gesundheitswissen ausführlich erklärt.
Eine anschauliche Zusammenfassung der Ursachen und negativen Auswirkungen von Einsamkeit sowie den heilenden Effekten von Freundschaften finden Sie in den verlinkten Youtube-Video des Kanals „Kurz erklärt“ (von ARD/ZDF)
Youtube: Glücksdetektiv: https://www.youtube.com/watch?v=WI8nLiv4dVo&list=PLXnYTQz6D5cel6oKxNi1AEZefNBP0kIOw&index=29
Autor: Vitos Haina, 2025
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