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Podcast RheinlandRAUSCH

Schluss mit dem Tabu Sucht: Wie der Podcast RheinlandRAUSCH über Wege aus der Abhängigkeit informiert

Ob Alkohol, Drogen, Medikamente, Computer- oder Glücksspielsucht: Abhängig zu sein ist immer noch ein Tabuthema. Der Podcast RheinlandRAUSCH der Koordinationsstelle Sucht des LVR in Köln will das ändern. Er informiert monatlich über Hilfsangebote. Vor allem aber interviewt Projektleiterin und Gastgeberin Magdalena Just Menschen, die selbst den Weg aus der Sucht gefunden haben.

 

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Magdalena Just LVR RheinlandRAUSCH
Magdalena Just Copyright LVR

Frau Just, Sie sind verantwortlich für den Podcast RheinlandRAUSCH, den Sie auch moderieren. Was ist Ihre Intention dabei, warum machen Sie das?

In erster Linie geht es uns darum, für das Thema Sucht zu sensibilisieren und aufzuklären. Obwohl inzwischen offener als noch vor zehn Jahren damit umgegangen wird, so wird doch immer noch recht wenig darüber gesprochen. Es gibt weiterhin eine sehr hohe Stigmatisierung in dem Bereich, viele Betroffene leiden auch deshalb unter Schamgefühlen. Je länger aber geschwiegen wird, desto länger dauert es, bis jemand Hilfe bekommt. Um dieses Schweigen zu durchbrechen, scheint uns ein Podcast besonders geeignet, denn das Format ist sehr niederschwellig und kann jeden und jede leicht erreichen. Wir wollen Mut machen, sich Unterstützung zu suchen. Dazu informieren wir über Möglichkeiten, Mittel und Methoden. Vor allem aber lassen wir Menschen zu Wort kommen, die glaubwürdig davon berichten können, wie sie die Sucht überwunden oder einen besseren Umgang damit gefunden haben.

 

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Musik hören Pexels
Bild @Pexels

Gegen welche Vorurteile müssen Sie angehen?

Früher hat man gesagt: ,Wer süchtig ist, der hat eine Charakter- oder Willensschwäche.‘ Heute wissen wir, dass es viele verschiedene Ursachen gibt: biologische, psychische und soziale Gründe können eine Rolle spielen. Diese unterschiedlichen Perspektiven wollen wir sichtbar machen, denn in der Öffentlichkeit ist das oft nicht bekannt. Auch Rückfalle werden inzwischen neu bewertet: Sie müssen nicht, aber können zum Genesungsprozess dazu gehören. Auch diese Menschen sollen und dürfen wieder aufgefangen werden.

 

Auch wenig bekannt ist, dass es bei der Therapie von Sucht nicht mehr nur um Abstinenz geht, sondern auch um Akzeptanz. Warum ist beides wichtig?

In den zurückliegenden Jahrzehnten war immer Abstinenz das oberste Ziel. Eine andere Lösung gab es nicht. Mittlerweile geht man aber auch in die Richtung akzeptanzbasierter Ansätze mit kontrolliertem Konsum, etwa Alkohol nur am Wochenende oder in einer festgelegten Menge. Es kommt ganz auf den Klienten und seine Sucht an, welcher Weg individuell der beste ist.

 

Um welche Süchte geht es im RheinlandRAUSCH?

Süchte aller Art, von Alkohol über Drogen und Medikamente bis zu sogenannten stoffungebundenen Süchten wie Computerspielsucht, Social Media-Sucht oder Glücksspielsucht. Auch Essstörungen werden thematisiert, obwohl sie in den offiziellen Diagnosemanualen nicht als Sucht klassifiziert sind. In Deutschland sind allein 1,6 Millionen Menschen von Alkohol abhängig, wie der Sucht- und Drogenbeauftragte der Bundesregierung mitteilt. Zigtausende sind von Medikamenten oder Medien abhängig. Sucht ist definitiv kein Randproblem. Und ganz ehrlich: Nahezu jeder kennt in seiner Familie, im Freundes- oder Bekanntenkreis jemanden mit Suchterfahrung oder einer Abhängigkeitserkrankung. Deshalb wendet sich der Podcast sowohl an Betroffene als auch an Angehörige. Außerdem an Experten, die ihr Netzwerk erweitern möchten.

 

Wie finden Sie Ihre Gesprächspartner und Gesprächspartnerinnen?

Wir sind im LVR-Klinikverbund in Gremien, Fachkonferenzen und Foren eingebunden. Mittlerweile bekommen wir auch Anfragen von Kliniken, Programme vorzustellen, wie etwa das DBT-S-Programm der LVR-Klinik Bonn für Menschen mit Borderline, die zusätzlich eine Sucht entwickelt haben. Es ist ein neuerer Ansatz. Außerdem nehme ich an verschiedenen ‚runden Tischen‘ teil, etwa in der Stadt Erftstadt. Und natürlich haben wir Netzwerk- und Kooperationspartner, etwa Suchtberatungsstellen. Ich bin zwar als Projektleiterin für den Podcast von der Recherche bis zur Ausstrahlung verantwortlich, aber meine Kollegen bei der Koordinationsstelle Sucht, Alexandra Peek und Philipp Benz-Verhülsdonk, unterstützen mich auch mit ihrer Expertise. Am Ende jeder Podcastfolge rufe ich zudem dazu auf, dass sich Betroffene oder Angehörige mit Anregungen und Fragen an mich wenden können. Dieses Angebot kann gerne noch mehr genutzt werden.

 

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Suchtmittel Kreuz
Bild: Curamenta Leichte Sprache

Was verbindet womöglich die Menschen, die den Weg aus der Sucht erfolgreich gegangen sind?

Tatsächlich gibt es immer einen Moment, in dem gewissermaßen der Schalter umgelegt wird. Bei Pierre, mit dem ich in Folge 1 sprach, kam es dazu, als er in den Maßregelvollzug musste. Dass von außen über ihn bestimmt wurde, hat ihm die Kraft gegeben, sich seiner Sucht zu stellen. Besonders eindrucksvoll fand ich auch, was Vincent mir in Folge 5 erzählte: Er litt an schweren Depressionen, konsumierte lange Jahre Cannabis und hatte bereits zwei Suizidversuche hinter sich. Eines Morgens sagte seine Partnerin zu ihm: ,Du bist doch so ein freiheitsliebender Mensch, in Deinem Kopf aber so geblockt von den Drogen.‘ Da wurde ihm plötzlich klar, wie sehr er sich selbst einschränkt. Heute leitet er eine eigene Selbsthilfegruppe. Dieser Moment, der die Heilung einleitet, muss immer aus den Betroffenen selbst kommen. Nur so finden sie die Motivation, die sie brauchen. Bei Pierre und Vincent ist unglaublich viel Positives daraus entstanden.

 

Es gibt bereits andere Podcasts zum Thema Sucht. Was macht Ihren besonders?

Wir konzentrieren uns auf Angebote, Experten und Betroffene aus dem Rheinland, und begeben uns, da wir als Koordinationsstelle Träger-übergreifend arbeiten, auf viele verschiedene Ebenen der Suchthilfe. Das ist unser Alleinstellungsmerkmal. Darüber hinaus empfehlen wir die Informationen des Selbsthilfenetzes in Nordrhein-Westfalen, von Nakos mit bundesweiten Selbsthilfegruppen sowie der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS).

 

Der Podcast RheinlandRAUSCH

RheinlandRAUSCH ist im Oktober 2024 gestartet, jeden Monat erscheint eine neue Folge. Wo kann man den Podcast hören?

Zu allen Folgen des Podcasts

Auch die Homepage der Koordinationsstelle Sucht des LVR verlinkt direkt zu allen bisherigen Folgen. Wer uns erreichen möchte, vielleicht auch mit Ideen für einen neuen Beitrag, mailt uns an rheinlandrausch@lvr.de